Die neue NRW-Landesregierung will ihren Dialog mit islamischen Verbänden hinterfragen, wie jüngst bekannt wurde. Im Fokus steht auch der Islam-Dachverband DITIB als möglicher Gesprächspartner. Die FDP kündigte indes an, angeblich liberale Muslime und weitere Akteure neu einzubinden. Wer dies konkret sein wird, wurde nicht erwähnt. Der islamische Religionsunterricht an NRW-Schulen werde zudem ausgeweitet – und umorganisiert, heißt es. Dagegen hatten CDU und FDP zu Zeiten der rot-grünen Landesregierung das Ende möglicher Einflußnahmen gefordert.

„Da haben wir den Salat, da wird hoffentlich der letzte Konservative in CDU und FDP wach“, kommentiert Kevin Hauer das Vorhaben der Landesregierung, den Islam-Unterricht an Schulen ausweiten zu wollen, das auf die schon arg gebeutelte Schullandschaft in Gelsenkirchen ebenfalls erhebliche Auswirkungen hätte (wir berichteten). „Wieso soll in deutschen Schulen eine Weltanschauung gelehrt werden?“, fragt das Ratsmitglied entrüstet und meint weiter: „Liberale Muslime sollen eingebunden werden? Da hat sich offenbar bei FDP und CDU niemand wirklich mit dem Islam auseinander gesetzt. Es gibt keine liberalen Muslime, allenfalls Muslime, die den Koran und seine diversen Auslegungen streng befolgen oder sie nicht streng befolgen. Aber `liberal im mitteleuropäischen Sinne gibt es im Islam nicht!“

Das Mitglied des Rats der Ruhrmetropole Gelsenkirchen erinnert beispielsweise an die in Köln organisierte Anti-Terrorismus-Demonstration Mitte Juni, zu der vollmundig zehntausende Demonstranten, vor allem Moslems angekündigt waren. Dem Aufruf folgten allerdings nur ein paar Hundert, die noch überwiegend autochthone Deutsche waren. DITIB hat explizit erklärt, nicht zur Teilnahme aufzurufen. „Auch da hat man wieder gesehen, wie sich Muslime integrieren, wenn es um die Ablehnung von Terror im Namen des Islam geht: nämlich gar nicht! Der Islam ist eben keine Religion, sondern Weltanschauung, die mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, Stichwort Scharia, nicht vereinbar ist. Das geht aber offenbar nicht in die Köpfe unserer neuen Landesregierung. Die ihnen bekannte Beliebigkeit gibt es im Islam eben nicht!“

Auch das zaghafte Lavieren mit DITIB kann Kevin Hauer nicht nachvollziehen. Die Landesregierung hält sich die Tür opportunistisch offen, wenn der FDP-Integrationsminister Stamp erklärt: „Die DITIB muß sich entscheiden, ob sie eine politische Organisation sein möchte oder eine Religionsgemeinschaft. Wenn sie sich löst von Ankara und als Religionsgemeinschaft tätig ist, ist sie Partner.“ Das kritisiert Hauer: „DITIB muß also nur die Unabhängigkeit von Ankara erklären und dann darf man wieder Kooperationspartner sein? DITIB ist durch und durch von Ankaras Wohlwollen abhängig. Mit denen darf man grundsätzlich nicht zusammenarbeiten. Wer mit DITIB am Tisch sitzt, sitzt auch mit Erdogan am Tisch. Dafür gibt es überhaupt keinen vernünftigen Grund. Das janusköpfige Verhalten der deutschen Politik ist da schon pathologisch“. Damit erinnert er daran, daß die gleichen Politiker, die den politischen Kurs Erdogans klritisieren, ihm hier die Tür offen halten. „Mit uns würde es keinen Islam-Unterricht und keine Zusammenarbeit mit DITIB geben – ohne Wenn und Aber“, verspricht das Ratsmitglied abschließend.