Nun merken es nicht erst die Betroffenen, die Eltern und Schüler sowie vor allem Lehrer, auch bei der (Lokal-)Politik kommt die Ernüchterung: Ist es schon schwer genug, Zuwandererkinder früherer Zeiten in den Schulalltag zu integrieren, kommen spätestens auf die Schullandschaft des Schuljahres 2017/2018 „große Herausforderungen“ zu, wie es besorgniserregend heißt.

Politiker der Altparteien sprechen von einer „Herkulesaufgabe“, allerdings ohne geeignete Lösungen anzubieten. Die Praxis indes zeigt mittlerweile, daß hiesige Schulen schon jetzt an ihre Grenzen stoßen – personell, räumlich und finanziell. Die Schulen fordern daher mehr Stellen, mehr Geld und auch mehr Personal, beispielsweise für mehr Sozialberufler, die integrations- und inklusionsfördernd wirken. Besonders dort, wo IFö-Schüler ins Regelsystem wechseln, wird es eng oder es braucht zusätzliche Klassen. Das führt bereits jetzt zu erheblichem Protest, so gingen Eltern der Gesamtschule Berger Feld auf die Barrikaden, weil dort die Aufnahme von Schülern Internationaler Förderklassen (IFÖ) in die Jahrgangsstufe 8 zu einem neuen Zuschnitt gewachsener Klassenverbände führt, was die Eltern ablehnen und weshalb sogar dagegen geklagt wird. Offen wird nicht davon gesprochen, daß es sich um ausländische Schüler handelt, die den Unterricht insgesamt verschlechtern könnten, da es sich vor allem bei Politikern der Altparteien und den Medien um ein Tabu-Thema handelt.

„Dabei hängt das eine logischerweise mit dem anderen zusammen“, kritisiert Kevin Hauer die aktuelle Diskussion. „Heißt es nicht immer, uns geht es so gut und wir seien ein reiches Land“, fragt sich das Ratsmitglied empört. „Wie soll denn bitteschön Integration funktionieren, wenn ausländische Schüler zum Teil die Mehrheit stellen? Und warum gibt es kein Geld für die Bildung unserer Schüler? Haben sich nicht alle Altparteien die Bildung auf die Fahnen geschrieben“, erinnert der Familienvater mit schulpflichtigen Kindern an die Versprechungen der Landes- sowie Lokalpolitiker. „Da wundert es einen, daß plötzlich entsprechende Nachfragen im Rat der Stadt Gelsenkirchen gestellt werden – gerade von den Altparteien. War nicht klar, was passiert“, fragt sich Hauer verwundert?

Rund 2400 IFö-Schüler warten noch auf die Regelbeschulung, das heißt, sie müssen künftig in den „normalen“ Schulalltag integriert werden. „Wie soll das realistischerweise gelingen? Hätte sich da jemand mal Gedanken machen können, bevor wir Wirtschaftsflüchtlinge in Millionenhöhe in die Bundesrepublik kommen ließen, die nämlich – welch Wunder – nicht selten auch Kinder mitbrachten oder nun hier bekommen? Deshalb ist da künftig nicht ein Weniger an Kindern zu erwarten, die integriert werden müssen, sondern ein Mehr“, warnt das Ratsmitglied Hauer und fordert mehr Mittel für die Bildungspolitik bereitzustellen. „Es muß vor allem mehr Geld locker gemacht werden, wenn wir unseren Nachwuchs anständig ausbilden wollen“, fordert er abschließend.